Medienreise 2013

Unter drei in Stanford

Benjamin Röber im Gespräch mit Prof. Dr. Armin Rott und Nick Sohnemann.

Wie entstand die Idee, diesen Innovation Field Trip zu veranstalten?

Armin Rott: Die Idee war zunächst in den USA das Fernsehen der Zukunft zu betrachten. Schnell merkten wir: Das Thema Innovation ist viel größer. So haben wir den Innovation Field Trip von New York über LA bis ins Silicon Valley geplant.

16 Unternehmensbesuche in drei Städten an zwölf Tagen. Wie geht das?

Armin Rott: Die Türen bei den Unternehmen öffnen sich nicht von selbst. Ein direkter Kontakt ins Unternehmen hilft. Zum Glück können wir oftmals mit der Hilfe unserer Alumni rechnen. Den Besuch bei Warner haben wir einem Absolventen zu verdanken. Eine Absolventin hat uns ins Haus von Airbnb gebracht und auch bei Google hatten wir Kontakte.

Wie fühlt es sich an, heute in Stanford zu sitzen und über Innovationen zu reden?

Armin Rott: Wir sind am Ende einer spannenden und großartigen Reise. Wir haben enorm viel gelernt. Es ist vergleichbar mit den letzten zehn Jahren an der Hamburg Media School: Es sind immer wieder Gelegenheiten gekommen, die wir wahrgenommen haben – oft mit überraschendem Ausgang.

Ist das Silicon Valley wirklich die Pilgerstätte für Innovatoren?

Nick Sohnemann: Bisher habe ich gesagt: Die kochen auch nur mit Wasser. Aber das nehme ich zurück! Hier ist ein einmaliges Ökosystem entstanden, vergleichbar mit einem schönen großen Gewächshaus und der richtigen Temperatur. Die Unternehmen investieren in Ideen und schlaue Leute, ohne sofortige Umsatzerwartung. Und die Köpfe zahlen das Vertrauen zurück. Das ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

Armin Rott: Das würde ich gerne präzisieren: Die Menschen arbeiten hier sehr pragmatisch, dennoch gehen sie systematisch vor. Klassische wissenschaftliche Methoden sind in der Anwendung. Sei es experimentell oder durch Feldversuche. Aber es existiert nicht diese Verzagtheit, wenn es darum geht, Ideen umzusetzen.

Was habt ihr bisher besonderes entdeckt?

Nick Sohnemann: Beeindruckt haben mich Pandora Radio und das Sharing Modell Sidecar.

Armin Rott: Ich fand Pandora sehr spannend. Die Optimierung der Empfehlungs-Engine ist ja keine einmalige Erfindung. Das ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Die Idee einer Sharing-Ökonomie ist übrigens sehr alt. Unternehmen wie AirBnB nutzen allerdings sehr konsequent die technischen Möglichkeiten einer vernetzten Welt.

Wird in den USA besonders erfolgreich innoviert?

Armin Rott: Hier sind sicher die größten Neuerungen der letzten Jahre entstanden. Aber vielleicht spielt gutes Marketing auch eine Rolle. Und über den Gesamterfolg können wir wenig sagen. Denn wer zählt denn die ganzen gescheiterten Unternehmen, von denen wir nie etwas erfahren?

Apropos Scheitern: Was sagt ihr zur amerikanischen Fehlerkultur?

Nick Sohnemann: Ich finde, dass der Begriff Fehler in Deutschland falsch besetzt ist. Fehler macht man eben nicht. Und wenn doch, ist es immer ein Riesending. In den USA ist das Wort fast schon positiv konnotiert.

Armin Rott: Das sehe ich anders. In diesem Verständnis geht es dann darum, sich was zu trauen, einfach zu machen. Während bei anderen Arten von Fehlern die Menschen hier in den USA geradezu paranoid sind. Zum Beispiel in der Serviceindustrie, dort haben Menschen oft eine irrsinnige Angst außerhalb ihrer Verantwortungsbereiche etwas zu wagen.

Wie muss man heute in den Medien innovieren?

Nick Sohnemann: Du musst dich mit coolen, außergewöhnlichen Apps beschäftigen. Und man muss Ideen entwickeln und diese schnell ausprobieren. Dabei sollte man risikobereit sein. Das ist für mich der einzige Weg vor dem Hintergrund, dass die Prozesse so viel komplexer geworden sind.

Wir sind also beim Trial and Error angekommen und sagen: Probiert einfach mal aus?

Armin Rott: Ganz so nicht: Wir haben Heuristiken, von denen man sagen kann, dass das Risiko der Innovation offenbar dadurch sinkt, dass man in relativ kurzen Zyklen Dinge ausprobiert und eine Erfolgskontrolle macht und eine Kurskorrektur einleitet. Das hat in etwas anderem Zusammenhang schon Popper empfohlen.

Wie sieht es eigentlich für den Journalismus und den „King Content“ in Zeiten von Tec und Data aus?

Nick Sohnemann: Journalismus und Content sind weiterhin wichtig, aber automatisierte Prozesse nehmen zu. Journalismus steigt für mich in die nächste Phase neuer Erzählstrukturen auf. Vielleicht ist wichtig, dass der Journalist von heute das versteht und sich der Sache bedient statt verweigert.

Armin Rott: Vielleicht ist es so, dass ein König vom Thron gestoßen wurde. Das Bedürfnis nach Unterhaltung, Information und Bildung wird heute auf sehr unterschiedliche Weise befriedigt. Entsprechend ist das Ergebnis auch nicht Öde oder Chaos, sondern Wettbewerb und Vielfalt. Es wird künftig darum gehen, die echten und zum Teil sehr unterschiedlichen Bedürfnisse zu erkunden und individuelle Lösungen zu bieten. Das kann man lernen. Auch bei uns.

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Fotos: Sebastian Isacu

Übersicht

1

Die Idee
3 Städte in 12 Tagen
Blick auf die Reise

2

Die Pilgerstätte für Innovatoren
Innovationen oder Luftnummern
Amerikanische Innovationskultur

3

Umgang mit Fehlern
Innovationstipps
Methode oder Trial and Error

4

„King Content“